Scam-Pattern der Woche: Gefälschte IRS-Briefe zum "Digital Asset Compliance Portal"
Auch diese Woche geht es wieder um einen Betrug per Post statt per E-Mail oder Chat - ein Muster, das wir hier schon einmal hatten, aber diesmal mit einer echten Behoerde als Aufhaenger und einer offiziellen Bestaetigung direkt von dieser Behoerde.
Der Fall
Die US-Steuerbehoerde IRS hat am 30. Juli 2026 einen offiziellen Betrugshinweis veroeffentlicht: Kriminelle verschicken Briefe im Look echter IRS-Schreiben an Krypto-Halter, die zur Anmeldung bei einem angeblichen "Digital Asset Compliance Portal" auffordern - vor einer angegebenen Frist, meist Anfang bis Mitte September. Ein solches Portal existiert nicht. "Kriminelle nutzen weiterhin das Vertrauen der Oeffentlichkeit in Behoerden aus, indem sie ueberzeugende gefaelschte Webseiten und offiziell wirkende Schreiben erstellen", so IRS-CI-Chef Jarod Koopman in der Mitteilung.
Die Briefe wirken durch Details wie erfundene Bescheidnummern (z.B. im Format "CP14-432RA"), einen Absender "Department of the Treasury, Internal Revenue Service, Austin, TX" und Bezug auf reale Steuerjahre (2017 bis 2026) bewusst glaubwuerdig. Ein QR-Code im Brief fuehrt zu einer nachgebauten Seite im IRS.gov-Look - laut Recherchen auf einer Domain, die in Rumaenien gehostet wird.
Wie die Falle konkret zuschnappt
Coinbase hat gemeinsam mit der Threat-Intelligence-Firma DarkTower den Ablauf nach einer Nutzermeldung dokumentiert: Die gefaelschte Seite fragt zunaechst nach einer Schaetzung des Krypto-Vermoegens (in Stufen bis "$100.000+") - vermutlich, um lohnende Ziele zu priorisieren. Anschliessend wird eine angebliche "Freigabe durch die eigene Boerse" verlangt, fuer die man seine Telefonnummer hinterlassen soll. Der eigentliche Angriff erfolgt dann in einem Rueckruf: Ein vermeintlicher "Support-Mitarbeiter" versucht am Telefon, Passwoerter, die Wiederherstellungsphrase oder einen 2FA-Code zu entlocken.
Warum das ausgerechnet jetzt funktioniert
Der Trick nutzt gezielt aus, dass die IRS Krypto-Halter in den letzten Jahren tatsaechlich staerker zur Angabe ihrer Digital-Asset-Bestaende in der Steuererklaerung verpflichtet - ein Brief zu genau diesem Thema wirkt deshalb plausibler als noch vor einigen Jahren. Papierpost umgeht ausserdem Spam-Filter komplett, und ein gedrucktes Schreiben mit Bescheidnummer wirkt auf viele automatisch seriöser als eine E-Mail.
Was das fuer euch bedeutet
Die bestaetigte Kampagne richtet sich aktuell an US-Steuerpflichtige und nutzt gezielt die IRS als Aufhaenger - fuer Deutschland oder die EU liegt keine analoge, offiziell bestaetigte Meldung vor. Das Muster selbst (gefaelschter Behoerdenbrief mit QR-Code und Frist) ist aber nicht neu und laesst sich leicht auf andere Steuerbehoerden uebertragen - hier gilt: Kein Finanzamt, keine Steuerbehoerde und keine Krypto-Boerse wird euch jemals per Brief zur Eingabe von Wallet-Zugangsdaten, Passwoertern oder eurer Seed-Phrase auf einer verlinkten Seite auffordern.
Solltet ihr ein solches Schreiben erhalten: Keinen QR-Code scannen, keine Daten eingeben, und im Zweifel die Behoerde ausschliesslich ueber die direkt eingetippte, offizielle Webseite kontaktieren - niemals ueber eine im Brief angegebene Nummer oder einen Link.
Quellen: IRS.gov Fraud Alert, Coinbase Blog
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